Zunderbeutel und Fire-Kit – Was brauche ich wofür?

Der Zunderbeutel oder das Fire-Kit gehören wahrscheinlich zur Grundausstattung eines jeden Bushcrafters. Aber auch unabhängig vom Bushcraften, beispielsweise auf einer ausgedehnten Trekkingtour, kann es Sinn machen, seinen Zunder auf die eine oder andere Art in einem kleinen Behälter oder Beutel aufzubewahren. Aber sind ein Zunderbeutel und ein Fire-Kit wirklich ein und dasselbe? Vielleicht macht es ja auch Sinn, den Zunderbeutel ganz anders zu verstehen als zum Beipiel das Fire-Kit. Mit ein wenig Überlegung kann man so zwei ganz unterschiedliche Konzepte im Hinblik auf den jeweiligen Einsatzzweck verfolgen.

Der Zunderbeutel und seine Geschichte

Früher war der Zunderbeutel für viele Menschen, die draußen unterwegs waren, zum Beispiel die Trapper in Nordamerika, eine Lebensversicherung. Einen Zunderbeutel mit trockenem Zunder dabei zu haben, stellte sicher, dass man  sich auch unter widrigen Bedingungen ein Feuer machen konnte. Das Feuer wiederum war notwendig, um sich bei Kälte zu wärmen oder um Essen zuzubereiten.

Der Beutel war meist aus derbem Leder oder sehr widerstandsfähigem Canvas hergestellt, das dann noch zusätzlich gewachst wurde. Denn eins war klar: Der einmal gesammelte Zunder sollte unter allen Umständen trocken bleiben. Nur so war sichergestellt, dass man im richtigen Augenblick ein Feuer problemlos in Gang bringen konnte.

An Zunder enthielt der Zunderbeutel meist natürliche Materialien, die in der jeweiligen Region, in der sich sein Besitzer gerade aufhielt, häufig vorkamen. Dazu zählt beispielsweise Birkenrinde oder auch der Kienspan. Beides echte Klassiker in der Hinsicht. Ein weiterer Klassiker, der schon sehr lange Zeit im Zunderbeutel seinen Platz gehabt, ist die Charcloth. Zusammen mit einem Feuereisen und Feuerstein ist es eine sehr alte und bewährte Methode einen Funken zu erzeugen, ihn mit der Charcloth einzufangen und mittles weiterem Zunder zu einem Feuer auszuweiten. Es gibt noch vielen weiteren Zunder, der in einem historischem Zunderbeutel seinen Platz hatte.

Der Zunderbeutel in der mordernen Zeit

Seien wir fair: Wenn wir heute einen Zunderbeutel dabei haben, fehlt meist eine wesentliche Komponente. Er ist für uns nicht mehr essentiell im Hinblick auf unserer Überleben. Wenn wir uns heute draußen bewegen, sei es im Urlaub, auf einem kurzen Wochenende-Tripp, einem Overnighter oder auch nur auf dem Weg zum nächsten Grillplatz, brauchen wir den Zunderbeutel nicht mehr als Lebensversicherung. Aber wir haben ihn tortzdem gerne dabei und das auch zu Recht. Gerade beim Bushcraften oder im Survival geht es für uns darum, auf viele moderne Ausrüstungsgegenstände zu verzichten und vieles von dem zu nutzen, was uns die Natur bereitstellt. Und das ist auch gut so, macht es doch einen Teil der Fazination dieses Hobby aus.

Insofern sind wir heute aber auch in der glücklichen Lage einen Zunderbeutel und auch den Zunder, den wir darin transportieren, ganz anders betrachten zu können. Ich bezeichne ihn gerne als “den Beutel zum Spaß haben”. Das heißt wir können heute darin ganz unterschiedliche Zundermaterialien mitnehmen. Das kann sowohl natürlicher Zunder sein, den ich bereits kenne, wie beispielsweise die Birkenrinde und mit dem es mir einfach Spaß macht zur arbeiten und ein Feuer zu entfachen. Das kann aber auch natürliches Zundermaterial sein, das ich das erste Mal ausprobieren möchte. Nichts was man in einer wirklichen Extremsituation machen würde.

Aber gerade die Auswahl der natürlichen Zunder, die klassischer Weise in einem Zunderbeutel enthalten sind, führen zu einem entscheidendem Nachteil: Der Beutel erreicht schnell ein Volumen und ein Gewicht, dass ihn in der heutigen Zeit unbrauchbar für ausgedehnte Trekking-Touren macht. Hinzu kommt auch die Verlässlichkeit des enthaltenen Zunders. So schön es ist, mit den natürlichen Materialien zu arbeiten, sind sie in der Anwendung doch etwas schwieriger und brauchen mehr Übung, als beispielsweise künstlicher Zunder (dazu unten mehr). Auch dies kann ein Nachteil auf Tour sein.

Zunderbeutel und Fire-Kit im Vergleich

Aufgrund des vorher geschriebenen komme ich zu folgender, vielleicht recht steilen These: Der Zunderbeutel im klassischen Sinne hat für uns heutzutage seine Relevanz verloren. Als “Sapßbeutel” für kurze Touren, Overnighter und Treffen mit Freunden ist er natürlich eine wunderbare Sache. Das heißt, beim Bushcraften oder im Surivival-Training können und sollten wir ihn dabei haben. Er repräsentiert viel von dem, worum es bei diesem Hobby auch geht. Mit natürlichen Materialien und wenig zusätzlicher Ausrüstung in der Natur zu recht zu kommen, um sich beispielsweise ein Feuer zu machen. Gerade beim Bushcraften wollen wir uns immer weiter einem sehr reduziertem Setup, letztendlich einem reduzierten Dasein in der Natur annähern. Da passt der Zunderbeutel wunderbar hinein!

Aber: Wenn wir uns draußen, in einer abgelegenen Gegend bewegen und wirklich drauf angewiesen sind, uns ein Feuer zu machen bspw. um uns abends zu wärmen, passt der Zunderbeutel, wie wir ihn heute verstehen und nutzen, nicht mehr ins Konzept. Dafür gibt es heute eine Reihe an künstlichen Zundermaterialien und weiteren Ausrüstungen, die weniger Platz einnehmen. Was spricht in diesem Kontext zum Beispiel gegen die Verwendung eines Feurzeugs? Wenn wir rein nutzenorientiert denken eigentlich wenig! Und unabhängig vom Nutzen gibt es eine Reihe weitere Gründe, die wir in Betracht ziehen sollten: Das schon angesprochene Gewicht und Volumen eines klassischen Zunderbeutels stehen da an erster Stelle!

Zunderbeutel und Fire-Kit in der Übersicht

Das Fire-Kit für die Outdoor-Tour

Wenn es also um echte Outdoor-Touren über mehrere Tage in abgelegene Gegenden geht, würde ich ein echtes Fire-Kit im hier vorgestellten Sinne immer einem Zunderbeutel vorziehen. Das Fire-Kit ist absolut optimiert im Hinblick auf seinen Einsatzzweck. Soll heißen, es versucht möglichst weit das Gewicht und natürlich auch das Volumen zu reduzieren. So passt das Fire-Kit immer noch gut in den Rucksack. Vom Inhalt her setzt es auf bewährte Zundermaterialien, die auch noch unter schwierigen Bedingungen funktionieren. Dies müssen nicht unbedingt natürliche Materialien sein. Im Gegenteil, gerade künstliche Zundermaterialien können in einem Fire-Kit gute Dienste leisten.

In meinem Fire-Kit finden sich beispielsweise Esbit-Tabletten als Zunder. Diese kann ich teilen oder auch klein zerbröseln. Sie lassen sich leicht mit einem Feuerzeug entzünden und brennen sehr lange. Auch ein wenig Feuchtigkeit kann ihnen nicht viel anhaben. Im Zweifelsfall reicht der Brennwert der Esbit-Tabletten, um sich damit auch eine kleine Mahlzeit zu zubereiten. Ein weiteres Beispiel aus meinem Fire-Kit ist in Vaseline getränkte Watte, die zu kleinen Bällchen aufgerollt wird. Diese Bällchen nehmen wenig Platz weg. Wenn sie verwendet werden sollen, wird die Watte einfach wieder zerfasert und lässt sich dann sogar mit einem Feuerstahl entzünden.

Um den Zunder zu entzünden, empfiehlt es sich auch hier mehrgleisig zu verfahren. Das Feuerzeug wurde schon angesprochen und sollte mindestens einmal in jedem Fire-Kit vorhanden sein. Nach einem anstrengenden Tag auf Tour kannst du natürlich mit Schlageisen und Feuerstein dein Feuer zum laufen bringen, dass muss aber nicht sein. Manchmal tut es auch gut, einfach ein paar Feathersticks fertig zu machen und diese mit dem Feuerzeug zu entzünden, um so schnell zu einem Feuer zu kommen. Der Feuerstahl sollte aber auf jeden Fall als Anzündhilfe auch seinen Platz im Fire-Kit finden. Dazu noch ein paar Streichhölzer, am besten wasserdicht verprackt und man ist schon sehr gut gerüstet.

Fazit: Überleg dir was du vorhast!

Ein wenig Überlegung ist nie verkehrt und das gilt auch bei der Zusammenstellung seines Zunderbeutels oder Fire-Kits. Wozu willst du deine Zunderzusammenstellung verwenden? Mit welchen Zundermaterialien kennst du dich gut aus und kannst sicher umgehen? Kannst du Zunder auch unterwegs auf Tour sammeln? Willst du Gewicht sparen oder Spaß haben und bist dafür bereitet, etwas mehr Gewicht in Kauf zu nehmen? All diese Fragen solltest du in deine Überlegungen aufnehmen und dann deine Zundersammlung entsprechend zusammenstellen. Wie sie dann am Ende heißt, Zunderbeutel, Fire-Kit oder ganz anders, spielt dann weniger eine Rolle. Hauptsache das Set bietet die Möglichkeit und hilft dir dabei im richtigen Moment ein Feuer zu entfachen!