Zunder und Feuer


Welchen Zunder kann ich für ein Feuer nutzen?

Als Zunder eignet sich alles, was ohne Probleme einen Funken fängt. Es braucht meist wirklich nicht mehr. Nur einen Funken und der Zunder entzündet sich, so dass wir darauf ein Feuer aufbauen können. Insofern gibt es draußen eine unüberschaubare Masse an Materialien, die wir als Zunder verwenden können: Holzspäne, Birkenrinde, trockenes Gras sowie Harz, Vogelfeder und noch vieles mehr. Aber auch Materialien, die so in der Natur nicht zu finden sind, können wir als Zunder vorbereiten. Dazu gehören beispielsweise Baum- oder Leinenstoffe. Entweder nur fein zerrissen oder weiter bearbeitet. Eine hervorragende Quelle sind Vogelnester! Aber bitte nur verlassene nutzen. Weniger fürs Bushcraften, aber fürs Survival interessant sind auch andere Stoffe. Ein einfacher Fahrradschlauch fängt zwar nicht so leicht einen Funken, aber einmal entzündet, brennt er sehr lange, so dass man gut ein Feuer damit in Gang bringen kann. Das wichtigste ist: Der Zunder muss trocken sein! Es ist zwar nicht unmöglich leicht feuchten Zunder zu entzünden, aber schwer. Am besten ist, sobald ihr unterwegs seid, immer ein offenes Auge zu haben und geeigneten Zunder gleich zu sammeln. Ihr könnt ihn dann in einer Jackentasche weiter trocknen. Oder ihr habt gleich ein kleinen Zunderbeutel mit passenden Materialien bei euch. Im Folgenden will ich euch ein paar Zunder-Arten und ihre Beschaffung sowie Nutzung vorstellen!

Inhaltsverzeichnis:

  1. Kienspan
  2. Char Cloth

Allgemeines zu Fatwood/Kienspan-Zunder

alternative Fatwood-Quelle (13)

Mit Fatwood oder auch Kienspan bezeichnet man Holz mit besonders hohem Harzanteil. Traditionell wird es aus der Kiefer gewonnen, aber auch Fichte und Tanne sind passable Lieferanten. Fatwood eignet sich gut als Zunder und kann alleine durch Funken entzündet werden. Durch den hohen Harzanteil brennt das Holz auch länger als gleiches Holz mit normalen Harzanteil. Der hohe Harzanteil entsteht zum Beispiel durch Verletzungen am Baum. Der Baum erhöht an der betroffenen Stelle den Harzanteil, um die Wunde zu verschließen und das Harz lagert sich daraufhin dauerhaft an der betroffene Stelle ab. Die gängigste Art um an Kienspan zu kommen, ist alte Baumstümpfe zusammen mit dem Wurzelbereich aus dem Boden auszugraben. Nach dem ein Baum gefällt wurde oder umgeknickt ist, lebt er weiter und produziert somit auch weiter Harz. Dieses kann nun nicht mehr in den eigentlichen Baum transportiert werden und verbleibt somit mit erhöhtem Anteil in den Wurzeln und im Stumpf. Wenngleich der Ertrag bei so einer Methode nicht schlecht ist, ist dies allerdings auch eine sehr aufwendige Art des „Erntens“ von Kienspan.

Die Alternative – Kienspan-Zunder

alternative Fatwood-Quelle (12)
alternative Fatwood-Quelle (14)

Einfacher kann man an Kienspan, wenngleich in geringeren Mengen, kommen, indem man einfach die abgestorbenen (!) Äste an Kiefern sehr nahe am Stamm absägt. Auch hier lagert sich Harz in höheren Mengen ab, was gut an der rötlichen Färbung des Holzes erkannt werden kann. Von dem so abgesägten Ast lassen sich meistens bis zu 5cm in guten Fällen auch bis zu 10cm als Kienspan/Fatwood verwenden. Dafür solltet ihr am Ast in ca. 25cm Entfernung von der Stelle, die am Baum war wiederum ein Stück absägen und euch so in z.B. 5cm Schritten immer weiter vorarbeiten bis der Harzanteil hoch genug ist. Allerdings ist der Harzanteil nicht bei allen Ästen gleich hoch. Stark rötlich gefärbte Schnittstellen sind immer ein guter Indikator für einen hohen Harzanteil im Holz. Schaut euch hierzu auch das nebenstehende Bild genauer an. Ich weise nochmals daraufhin nur die abgestorbenen Äste zu nehmen. Zum einen wird so dem Baum kein Schaden zugefügt und zum anderen kann der so gewonnene Kien auch gleich verwendet werden. Dies ist bei frischen Ästen nicht der Fall.

Und hier noch ein kleines Video, in dem der „Ernteprozess“ zu sehen ist.

Allgemeines zu Char Cloth

In diesem Beitrag geht es um die Herstellung von char cloth Zunder. Dieser Zunder ist relativ einfach herzustellen und es empfiehlt sich auf Tour immer ein paar kleine Stücke für den Notfall dabei zu haben. Diese fangen sehr leicht einen Funken und eignen sich um weiteres Zundermaterial (z. B. trockene Gräser) zu entzünden. Mittels Pyrolyse erhalten wir einen einfach zu entzündenden Stoff. Ausgangsmaterial ist dafür 100% Baumwolle. Diese könnt ihr von einem alten T-Shirt oder Bettlaken bekommen. Desweiteren benötigen wir noch eine kleine Blech- oder Metalldose und ein Feuer. Bei der Dose ist darauf zu achten, dass diese gut schließt, damit später kein Sauerstoff in die Dose eindringen kann.

Vorbereitung

Char Cloth I

Nichts desto trotz machen wir zuerst ein kleines Loch in den Deckel der Dose. Aus diesem können später die Pyrolyse-Gase austreten. Der Stoff wird in kleine Stücke entsprechend der Größe der Dose geschnitten und anschließend locker in diese hineingelegt. Ihr könnt hierbei ruhig unterschiedlich große Stücke schneiden und diese auch versetzt zueinander in die Dose legen, nur falten solltet ihr sie nicht.

Ab ins Feuer…

Char Cloth III

Anschließend schließen wir die Dose und legen sie ins Feuer. Die Beschaffenheit des Feuers ist er zweitrangig. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass geringere Temperaturen besser sind als zu hohe, auch wenn der Prozess dadurch etwas länger dauert. Meiner Meinung nach ist am Ende die Beschaffenheit der char cloth aber einfach besser. Am besten ihr probiert es selber aus. Ihr könnt erkennen dass die Pyrolyse begonnen hat, wenn ein weiß-gräulicher „Rauch“ aus dem Loch im Deckel aufsteigt. Eigentlich handelt es sich hierbei um Gase, welche gesundheitsschädlich sind. Von daher macht das alles draußen und atmet sie nicht ein. Sollten sich die Gase entzünden ist dies nicht weiter problematisch. Also müsst ihr nicht versuchen, sie zu löschen. Wenn die Pyrolyse beendet ist, steigt kein weiterer „Rauch“ aus dem Loch auf. Dies ist der Hinweis für euch, die Dose aus dem Feuer zu nehmen. Falls ihr meint, ihr könnt/müsst die Dose mit den bloßen Fingern anfassen, dann macht das. Ich empfehle euch dies nicht zu tun. Wichtig ist jetzt, dass ihr die Dose mit dem Deckel auf den Boden legt, so dass kein Sauerstoff durch das Loch in die Dose gelangen kann. Nun heißt es warten bis die Dose komplett ausgekühlt ist. Öffnet ihr die Dose zu früh, kann es sein, dass sich die char cloth entzündet und die Arbeit war umsonst.

… und alles hat geklappt – Char Cloth-Zunder.

Char Cloth IV
Char Cloth V

Ist die Dose abgekühlt, könnt ihr den Deckel öffnen und eure erste selbst hergestellte char cloth bestaunen. Ich nehme am liebsten die einzelnen Lagen einmal auseinander und lege sie dann nach und nach wieder in die Dose, in der ich sie auch dauerhaft aufbewahre. Das Material sollte nun komplett schwarz sowie ganz fein sein und eine netzartige Struktur aufweisen. Weiter leicht porös sein, aber beim berühren nicht sofort brechen. Solltet ihr es nicht anfassen können, ohne das es bricht, ist etwas schief gelaufen (vermutlich hat sich der Stoff entzündet). Sollte das Material nicht komplett schwarz sein, z.B. bei einzelnen Lagen, dann war der Stoff wahrscheinlich zu dicht/fest in der Dose gelagert. In dem Fall die nicht komplett schwarzen Stücke nochmals in die Dose und ins Feuer. Am besten könnt ihr aber feststellen, ob es geklappt hat, wenn ihr ein Stück nehmt und versucht es mit eurem Feuerstahl in Gang zu bringen. Für gewöhnlich reicht ein einzelner Funke um eine Glut hervorzubringen.